Montag, 26. August 2013

Nackt in den bodenlosen Abgrund

Artikel von diestandard.at:

Die Abwärtsspirale dreht sich weiter: Mit "Reality Queens auf Safari" eröffnet Pro 7 die nächste Runde im Kampf um das verrohteste TV-Format

Für Reality-Formate scheint die unterste Schublade noch immer nicht erreicht. Monat um Monat untertrumpfen sich die vermeintlich neuen Shows mit dem immer gleichen Muster. Doch es geht immer noch eine Etage tiefer, auch wenn es nur schwer vorstellbar ist.
Selbst nach Formaten wie "Catch the Millionaire" (Pro 7) geht es munter abwärts, in dem sich junge Frauen um einen vermögenden Feschak matchen und einander dabei jeden sich bietenden Seitenhieb verpassen. Und auch noch nach dem kürzlich über die RTL-Fernsehbühne gelaufenen "Wild Girls - Auf High Heels durch Afrika": Zwölf sogenannte "Luxus-Ladys" konnten sich darin auf dem ihnen fremden Kontinent öffentlich bei den verschiedensten Aufgaben zu Idiotinnen machen - ob beim Roadtrip durch die Wüste oder beim umständlichen Schminken in sengender Hitze. Das alles geht selbstverständlich nicht, ohne jede Blödheit der Einzelnen als Frauenspezifikum darzustellen, um so nicht nur die ins Rampenlicht Verliebte zu verunglimpfen, sondern gleich alle Frauen.

Land und Leute
Den aktuellsten Reality-Tiefpunkt erreichte mal wieder Pro 7 mit einer Show, die abermals in Afrika gedreht wurde. "Reality Queens auf Safari" versammelt eine ehemalige "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin, eine Ex-"Bachelor"-Kandidatin bis hin zur "Porno-Queen" in Tansania und lässt sie ähnlich wie in "Wild Girls" auf die Wüste los. Und leider auch auf die Leute, deren Leben von den Kandidatinnen kommentiert wird. Die eine meint, sie lasse sich nicht verarschen - denn dass Menschen tatsächlich mitten im Busch leben, das könne man jemand anderem auf die Nase binden. Eine andere befühlt fassungslos einen wenig kuscheligen Pelz, der wohl nicht aus so etwas Niedlichem wie Nerz gemacht ist. Und wieder eine andere ärgert sich, dass die armen Afrikanerinnen nicht darüber jubeln, dass sie sich an Ort und Stelle nackt ausziehen will, um ihnen ihr Kleidchen im Leoparden-Look großzügig zu überlassen. Die haben ja keine sauberen Sachen, meint die Kandidatin kopfschüttelnd.

Das untere Ende
Es reicht also nicht mehr, dass sich die KandidatInnen wie in den diversen Dschungelcamps selbst vorführen. In "Reality Queens auf Safari" geht man weiter und zerrt Menschen vor die Kamera, um sie mit Herabwürdigung und grenzloser Ignoranz zu diffamieren.
Auch die bisher in Reality-Shows gezeigte nackte Haut reicht bei weitem nicht mehr. Minutenlang hält die Kamera drauf, wenn die Kandidatinnen ihren klassischen Mainstreamporno-Körper abbrausen. Wir haben übrigens 20.15 Uhr.
Und trotz alldem können wir sicher sein, dass das untere Ende noch nicht erreicht ist. Das beweisen uns RTL, Sat.1 und Pro 7 bereits im Wochenrhythmus.

(beaha, dieStandard.at, 23.8.2013)
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Hier eine Petition gegen die ZDF-Reihe "Auf der Flucht"

Donnerstag, 11. Juli 2013

Open access to detention centres for civil society organisations and journalists




We call on the governments of member states and on the institutions of the EU to act in order that ensure that civil society and the press have access todetention centres;

We also call on MPs and MEPs and those who do have access to push for improvements to national and European legislation in this field;

Finally, because the EU is increasingly 'externalising' its migratory policies, pushing non-member states to set up detention centres on their own territory to prevent migrants from entering Europe, we insist that openness and transparence should be the norm in these non-European countries too. 

www.openaccessnow.eu

Mittwoch, 10. Juli 2013

Afrikanische Königsfamilien gefangen in Schönbrunn?

Artikel auf M-Media:


Tiergarten Schönbrunn wirbt mit dem Slogan „Meet Africa’s royal families living in Vienna“. Gemeint sind damit Löwen und Elefanten. Eine Respektlosigkeit.

Wien. Afrika und die AfrikanerInnen werden es nie los. Sie werden immer mit Tieren assoziiert. Natürlich mit wilden Tieren, die es zu zähmen gilt. In der Öffentlichkeit werden AfrikanerInnen oft “jenseits von der Zivilisation” – genauer gesagt von der westlichen Zivilisation – dargestellt. Eine FPÖ Politikerin sagte 1999 im Parlament: “Schwarzafrikaner schauen nicht nur anders aus, (…), sondern sie sind auch anders, und zwar sind sie ganz besonders aggressiv. Das liegt offensichtlich in der Natur dieser Menschen”. Dagegen protestierten damals nur die Grünen.



Auch die feinsten Königshäuser Afrikas werden auf Wiener Straßen lächerlich gemacht. Wie eine neue Kampagne des Tiergarten Schönbrunn betont: “Meet Africa´s royal families living in Vienna. Gemeint sind damit nicht Menschen sondern Tiere. Es sind afrikanische Löwen, Elefanten und Giraffen, die von Schönbrunn als Königsfamilien präsentiert werden. Meine 12 jährige Tochter kritisierte das Plakat und fragte: “Warum schreiben sie nicht Meet Africa´s royal animal families living in Vienna!?”. Das wäre präzise und unproblematisch gewesen. Aber für die Macher der Kampagne sind königliche afrikanische Familien in Wien im Tierreich anzusiedeln.

Ein No-Go mit der Queen
Die Plakate sind ein Zeichen von Mangel an Sensibilität für Menschen afrikanischer Herkunft. Man stelle sich vor es hieße nicht „Africa’s royal families“, sondern „Britain’s royal families“. Eine solche Kampagne wäre aus Respekt vor dem Königshaus Englands nicht  möglich gewesen. Was würde die Queen sagen? Was die britische Bevölkerung? Dasselbe gilt für die Niederlande oder Schweden. Aber eine Verbindung zwischen Tieren und Menschen herstellen zu wollen, scheint besonders gegenüber AfrikanerInnen ausgeprägt zu sein. Es ist respektlos und ein Zeichen von Ignoranz gegenüber der vielen afrikanischen Königshäuser, die hier auf einer beschämende Art und Weise auf Tiere reduziert worden sind.

Dear Tiergarten Schönbrunn: Africa has royal families. They definitely don’t live in a Zoo nor are they animals. That´s the point…

http://www.m-media.or.at/wp-content/uploads/2013/07/TiergatenSchoenbrunn_Werbung.jpg 

 

Montag, 1. Juli 2013

Video-Clips mit Abgeschobenen

In den folgenden Interviews berichten Abgeschobenen aus Österreich und Deutschland zunächst von den Hintergründen ihrer Flucht, sodann von ihren Erfahrungen in Europa und schließlich darüber, wie es ihnen während und nach ihrer Abschiebung ergangen ist.

Eine Weiterverbreitung der Clips ist sehr erwünscht, zudem sei darauf hingewiesen, dass es ab Ende September eine längere Doku mit diesen und weiteren Zeugenaussagen geben wird.

a) Interview mit einem nach Nigeria Abgeschobenen (englisch/deutsch):



b) Interview mit einem nach Togo Abgeschobenen I (französisch/englisch):



c) Interview mit einem nach Togo Abgeschobenen II (französisch/englisch):


Mittwoch, 5. Juni 2013

war zone

The day the people of Turkey rose up — in pictures

Blog: roarmag.org 

 mehr Bilder hier

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[via europeans against the political system, facebook group, 5.6.2013]

Dearest X,
First of all we are all fine. We are exposed to some gas, but it’s ok. After some experience of inexplicable pain you just get used to it…

Well, let me tell some insight of the movement. It’s not about defending any ideology but just standing side by side against fascism. And it is more than defending a park. This was the sparkle which triggered all unhappy by the ruling government. This is the reckoning day for all that Government is responsible of through the last decade. Mass massacres, in Hatay, May 2013 (more than 170 people); in Uludere December 2011 (40 people), the prohibitions for making meetings, for the police terror with teargas whenever some meets, the censored media, attempt on prohibiton of alcohol use and sale after 10 pm, the cheat scandals on public and central exams like university or state officials election exams, destruction of forests now for the 3rd Bridge they plan, the tortures all minorities suffered, Kurds, Women, Lesbians-Gays-Biseksüels.
So, there are lots of people, standing side by side… We fight together, help each other, feed each other, pour milk and talcid-water and lemon and on our faces after each single teargas attack. We are as strong as we are diversified. Because all we want is one and only: “Resign Tayyip” (our sultan).

Well, Tayyip seems like he doesn’t want to step back. So, we will resist. And, I feel like this excitement will not expire that easily. Our barricades are strong and we hold still. Now anarchy, quite peaceful sort of anarchy rules in Taksim and around. People sell and drink alcohol outside. All walls (I mean really all walls) are painted with writings against Fascism, Tayyip, Police force and in favour of solidarity and barricades of burnt police cars and government supporting media cars.

Dear X, you should have seen İstanbul now. It has never been more beautiful. When I wake up, I wake up happy, similing. And on the streets you see that on every face. Well I said to myself then, if there is something as beautiful as love, that must be revolution.

I don’t know what will happen but I am sure everything will be better soon. You can share any part or all of this letter anywhere. Because no news coming from Turkey is trustable. We need you to spread our voice as much as you can.